“Ich spüre, dass alles was ich tue, sehr gut in der Community angenommen wird, da ich viel positives Feedback erhalte.”

Lars ist als weltwärts-Freiwilliger für ein Jahr in Darling und unterstützt vor Ort die Partner-Organisation “Darling Outreach Foundation” von PlayHandball. Die Darling Outreach Foundation hat die Mission, Bildungschancen zu schaffen und zur Verbesserung des körperlichen Wohlbefindens von gefährdeten Kindern beizutragen. In folgendem Interview erzählt unser Freiwilliger Lars von seinen Erfahrungen nach der ersten zwei Monaten:

PLAY HANDBALL: Warum ist Handball wichtig für dich und was hat es bewirkt?

Lars: Als ich vor sechs Jahren das erste Mal Handball gespielt habe, hätte ich nie gedacht, dass es mein Leben so verändert. Ich habe mich direkt in den Sport verliebt. Es ist aber nicht nur das Handball spielen an sich, was den Sport toll macht – es ist die gesamte Handball Community. In einem Team zu spielen, in dem sich jeder gegenseitig unterstützt und jeder für den anderen da ist, ist eines der besten Gefühle, die es gibt. Man kommt zum Training oder zum Spiel in die Halle, vergisst alle anderen Probleme, und hat nur noch Handball im Kopf. Neben dem Spielen selbst hat mir Handball aber auch noch den Job als Trainer von jungen, motivierten Nachwuchshandballer*innen gegeben, was mich letztendlich für ein Jahr nach Südafrika gebracht hat. Es ist einfach unglaublich, den Kindern die Freude im Gesicht anzusehen, wenn sie etwas Neues lernen, ein Erfolgserlebnis haben oder einfach nur Spaß am Handball haben.

PLAY HANDBALL: Wie hast du von PlayHandball ZA gehört?

Lars: Ich muss sagen, PlayHandball kenne ich noch gar nicht so lange und ich bin auch erst bei meiner Suche nach einem Freiwilligendienst auf die Organisation aufmerksam geworden. Als für mich klar war, dass ich ins Ausland möchte, habe ich mir bei Weltwärts alle möglichen Projekte angeguckt und bin schlussendlich auf PlayHandball gestoßen. Mir war schnell klar, dass dieses Projekt das Richtige für mich ist.

PLAY HANDBALL: Warum hast du dich für einen Handball-Freiwilligendienst in Südafrika entschieden?

Lars: Nachdem ich letztes Jahr mein Sport-Studium angefangen habe, habe ich sehr schnell gemerkt, dass ich noch nicht bereit bin, drei Jahre zu studieren. Grundsätzlich habe ich mich für den Freiwilligendienst entschieden, weil ich diese einzigartige Erfahrung machen wollte, ein Jahr in einer neuen Kultur, mit einer neuen Sprache, mit neuen Traditionen und auch einem neuen Alltag zu verbringen. Als ich dann herausgefunden habe, dass ich das noch mit meiner Leidenschaft, dem Handball, verbinden kann, war der Plan natürlich perfekt. Für mich ist Handball einfach eine Möglichkeit, mit neuen Menschen in Kontakt zu kommen, sich auszutauschen und voneinander zu lernen.

PLAY HANDBALL: Wie lange bist du schon ein Freiwilliger in Südafrika?

Lars: Ich bin jetzt seit über zwei Monaten als Freiwilliger in Südafrika.

PLAY HANDBALL: Was war bisher die unvergesslichste Erfahrung?

Lars: In der ersten Zeit gab es bei mir nicht “die eine” Situation, die mir im Kopf geblieben ist. Es sind einfach immer wieder kleine schöne Momente, an die man sich wieder erinnert. Ein Beispiel dafür ist, dass ich auf dem Weg zum Shop war und ein kleines Kind aus der Schule getroffen habe, mit dem ich dann zusammen zurück gegangen bin und mich lange unterhalten habe. Oder an einem Tag hatten in der Darling Outreach Foundation alle Kinder so viel Spaß an der Aussprache des deutschen Wortes “Augenbraue“, dass wir einfach dasaßen, das Wort immer wieder ausgesprochen wurde und wir gelacht haben. Für mich sind es vor allem diese kleinen Momente, an die ich mich immer wieder gerne erinnere.

PLAY HANDBALL: Was war die größte Herausforderung bisher?

Lars: Die größte Herausforderung, die ich bisher habe, ist tatsächlich, mir die Namen und Gesichter von Leuten zu merken, die ich neu kennenlerne. Das gilt natürlich nicht für die Personen, die ich jeden Tag oder sehr oft sehe, aber ich hatte schon ganz oft die Situation, dass ich von jemanden angesprochen wurde, der mich kannte, ich konnte mich dann nur leider nicht mehr an die Person erinnern. Dann ist man immer am Überlegen, ob man nach dem Namen fragen soll, oder ob man einfach so tut, dass man die Person noch kennt. Eine zweite Sache, mit der ich hin und wieder Probleme habe, ist die Situation, dass die Schüler*innen/Kinder/Spieler*innen manchmal keine Lust haben, mitzumachen, oder einfach alles machen, nur nicht zuhören. Gerade wenn dann kein Lehrer*in dabei ist, fällt es mir echt schwer, die Kinder wieder zum Mitmachen zu motivieren. Wenn man dann Kinder hat, die nicht alles auf Englisch verstehen, ist das natürlich noch schwieriger.

PLAY HANDBALL: Wie erlebst du das Handballtraining in der Schule/Gemeinde?

Lars: Vor meiner Ausreise habe mich ich mir sehr viele Gedanken über das Handballprojekt gemacht: Wie wird Handball in Südafrika angenommen? Wie werde ich als Trainer respektiert? Inwiefern kann ein “richtiges” Handballtraining stattfinden? Und natürlich kam nun vieles anders als erwartet. Nicht einmal im negativen Sinne, eher im Gegenteil – einiges klappt schon echt sehr gut. Das Wichtigste zuerst: So gut wie alle Kinder haben immer sehr viel Spaß beim Handballtraining. Auch wenn ich an den Schulen immer nur 30 Minuten Zeit mit einer Klasse habe, ist es doch schon möglich, ein paar Übungen und Spiele durchzuführen. Auch die sprachlichen Barrieren stellen kein wirkliches Problem dar. Die meisten Kinder verstehen mich echt gut und selbst wenn etwas nicht verstanden wird, bekomme ich immer Hilfe und es wird einfach in Afrikaans übersetzt. Der Leistungsunterschied ist natürlich oft zu spüren und man muss immer schauen, dass alle gut in das Training integriert werden. Es begeistert mich immer sehr, wenn ich sehe, dass als Team gespielt wird und man es schafft, dass jeder mitspielen kann. Es läuft natürlich nicht immer alles perfekt – immer wieder hat man auch Schüler dabei die dann keine Lust haben zu spielen, oder die lieber Fußball spielen wollen. Oft kommen die Klassen auch zu spät, sodass man nur noch 20 Minuten Zeit hat. Aber auch dann muss man einfach ein bisschen improvisieren und auch in kurzer Zeit kann man doch echt viel erreichen.

PLAY HANDBALL: Wie wirkt sich deine Arbeit auf dich selbst und auf die Gemeinschaft aus?

Lars: Auf mich wirkt sich die Arbeit, die ich mache, sehr positiv aus. Jede Handball-Trainingseinheit hilft mir, mich persönlich weiterzuentwickeln und ich lerne sehr viel in meiner Rolle als Handballtrainer. Es war eine sehr ungewohnte Situation für mich, einer Gruppe eine für sie neue Sportart in einer anderen Sprache beizubringen, aber diese Herausforderung hilft mir sehr, meine Komfortzone zu verlassen und neue Dinge auszuprobieren. Ich spüre auch, dass alles was ich tue, sehr gut in der Community angenommen wird, da ich viel positives Feedback erhalte. Gerade der Fakt, dass viele Kinder jede Woche wieder Lust haben, zum Handballtraining zu kommen, zeigt mir, dass meine Arbeit auch geschätzt wird und alle ein Teil davon sein wollen. Ich werde auch immer wieder gefragt, sei es von Lehrer*innen, anderen Schulen oder auch Kindern, ob ich auch mit ihnen zusammen Handball spielen kann, was mir immer eine große Freude bereitet und mich noch mehr motiviert, das Projekt weiter zu verbreiten.

PLAY HANDBALL: Wie ist das Leben in einer südafrikanischen Gastfamilie?

Lars: Von Anfang an wurde ich sehr herzlich in der Familie begrüßt und gut behandelt. Ich wurde direkt in die Familie integriert und schon nach kürzester Zeit habe ich mich nicht mehr wie in einem fremden Land oder umgeben von fremden Menschen gefühlt. Ich werde hier Zuhause mit allem versorgt, was ich brauche, kriege viel Aufmerksamkeit, habe aber auch meine Freiheiten. Ich kann mit allen über alles reden und sofort wird von jeder Seite Hilfe angeboten. Zudem erlebe ich das Leben in der Gastfamilie als sehr gesellig, meine Familie beschränkt sich nicht nur auf meine Gastmutter, mit der ich zusammenlebe, sondern jeden Tag kommen Bekannte und Freunde zu Besuch und wenn mir mal langweilig ist, kann ich jederzeit zu anderen nach Hause gehen und einfach dort sitzen und mich mit ihnen unterhalten.

PLAY HANDBALL: Andere Kommentare oder Gedanken, die du mitteilen möchtest:

Lars: Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich die Chance habe, ein solches Projekt unterstützen zu können und diese Reise machen zu können – ich genieße jeden Moment, den ich hier erlebe. Ich konnte mir vor Beginn des Freiwilligendienstes gar nicht vorstellen, wie viel Freude man an so vielen kleinen Momenten haben kann und wie schön und auch wichtig es ist, mit so vielen neuen Menschen in Kontakt zu kommen und seine Erfahrungen zu teilen. Auch wenn nicht immer alles perfekt läuft und man auch Zeiten hat, bei denen es einem nicht so gut geht, ist es eine einzigartige Erfahrung, eine neue Kultur und ein neues Land auf diese Art und Weise kennen zu lernen. Ich freue mich auf die kommenden Monate!

 

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